Details

Bildungssystem: gut für Einkommensmobilität, weniger gut in der Talentselektion

Heinz Nauer

Studie von St. Galler Ökonomen zur Chancengleichheit in der Schweiz

Die Chancengleichheit gilt über das gesamte politische Spektrum als erstrebenswert. Doch fehlten bislang in vielen Bereichen die Daten dazu. Die Ökonomen Veronica Grassi und Patrick Chuard von der Universität St. Gallen haben nun erstmals neue Lohndaten aus der AHV-Statistik mit Daten zu persönlichen Merkmalen verknüpft, womit sie Aussagen über die intergenerationelle Mobilität des Einkommens machen können. In der kürzlich publizierten Studie «Switzer-Land of Opportunity» diskutieren sie, wie gut es in der Schweiz möglich ist, aus einer unteren in eine obere Schicht aufzusteigen und inwieweit ein solcher Aufstieg davon abhängt, wie viel die eigenen Eltern verdienten.

«Gutschweizerischer Kompromiss»

Die Studie zeigt: Rund 13 Prozent aus dem ärmsten Einkommensfünftel schaffen es ins reichste Fünftel, während mehr als 30 Prozent aus dem reichsten Fünften dort verbleiben. Die relative Einkommensmobilität ist in der Schweiz somit höher als in den Vergleichsländern Italien, Schweden und den USA. Dies hat viel mit dem insgesamt durchlässigen Schweizer Bildungssystem zu tun. Selbst in den untersten Rängen der elterlichen Einkommensverteilung machen fast 40 Prozent der Kinder einen tertiären Abschluss.

Um ganz an die Spitze zu kommen, bleibt indes eine akademische Bildung der Schlüssel. Im Bereich der gymnasial-universitären Ausbildung ist die soziale Durchlässigkeit in der Schweiz gering: Von den Familien mit einem Einkommen des Vaters in der unteren Hälfte des Spektrums gehen nur 12 Prozent der Kinder ans Gymnasium, und weniger als 10 Prozent erlangen einen Master-Abschluss einer Universität. Die tiefe gymnasiale und universitäre Bildungsmobilität deute darauf hin, «dass das Bildungssystem in der Talentselektion weniger gut ist», schreiben die Autoren in einem zusammenfassenden Beitrag auf batz.ch.