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Künstliche Intelligenz – menschlicher als man meint

Beatrice Kübli, SAGW, Kommunikation
Gesellschaftliche Relevanz

Eine künstliche Intelligenz lernt von selbst. Und lässt sich dabei ebenso beeinflussen wie der Mensch auch.

Eine künstliche Intelligenz ist ein Computerprogramm, das sich selbst Dinge beibringen und Lösungen finden kann. Dabei kann es bisherige Erfahrungen berücksichtigen und sich selbst korrigieren (Definitionen zu KI, Machine Learning etc.). Ein kürzlich veröffentlichtes Video des Schweizerischen Nationalfonds dokumentiert die Entstehung künstlicher Intelligenz. Im Alltag ist sie längst integriert, auch wenn uns das nicht immer bewusst ist. Drei Bereiche wurden unlängst an einer Tagung in Zürich thematisiert: «KI in der Medizin», «KI im Bewerbungsprozess» und «KI in den sozialen Medien».

Medizin: Ist die KI zuverlässiger als der Mensch?

Mit dem Einsatz von KI in der Medizin setzt sich zurzeit die «Focus Group on "Artificial Intelligence for Health"» detailliert auseinander. KI wird in der Medizin unter anderem für die Auswertung von Bilddaten eingesetzt. Sie kann auffällige Schattierungen bisweilen zuverlässiger entdecken als ein Mensch. Entsprechend hoch ist hier das Vertrauen. Bisher kann KI nur auf Auffälligkeiten hinweisen. Die Diagnose stellt ein Mensch. Schwierig wird es dort, wo die KI ein bestimmtes Vorgehen empfiehlt. Ist der Mensch dann wirklich noch frei in seiner Entscheidung? Wird er es wagen, gegen die Empfehlung zu handeln? Und wer trägt letztlich die Verantwortung? Das sind noch ungeklärte Fragen.

Bewerbungen: Ist die KI neutral?

Auch bei Bewerbungen kommen teilweise KI-Systeme zum Einsatz. Sie treffen eine erste Vorauswahl der Dossiers und empfehlen, wer für ein Bewerbungsgespräch eingeladen werden soll und wer nicht. Die Ansichten hierzu sind geteilt. Die einen befürchten, dass der «human touch» zu kurz kommt, die anderen sehen KI-Systeme als Chance für einen fairen, vorurteilslosen Bewerbungsprozess. Ob die Algorithmen hier zuverlässig und neutral agieren, ist umstritten.

Soziale Medien: Ist die KI beeinflussbar?

In den sozialen Medien spielt künstliche Intelligenz in verschiedener Art eine Rolle. Einerseits werden damit die Newsstreams gefiltert. Der Algorithmus entscheidet also, was den Nutzer interessiert und präsentiert entsprechende Inhalte. Es können sogenannte Filterbubbles entstehen: Der Nutzer sieht nur noch Beiträge, welche der eigenen Meinung entsprechen, und realisiert deshalb nicht, dass es noch ganz andere Ansichten gibt. Weitreichendere Konsequenzen haben die Social Bots, Computerprogramme, die sich als Menschen ausgeben (siehe auch «Fake News, Algorithmen, Social Bots und die Wahrheit»). Sie werden teilweise bewusst zur Meinungsbildung eingesetzt. Manchmal sollen sie auch nur neue Kommunikationsarten dazulernen, wie Tay, ein von Microsoft entwickelter Chatbot, der 2016 auf Twitter in Erscheinung trat. Doch bereits wenige Stunden nachdem der Bot aktiviert wurde, musste der Versuch abgebrochen werden: Tay hatte sich zur Rassistin entwickelt. Wie sich so ein Programm entwickelt, wissen die Programmierer also oft selbst nicht. Es ist stark abhängig von den Inputs der Umgebung. Um das zu illustrieren, hat das Massachusetts Institute of Technology getestet, was passiert, wenn eine KI mit negativen Informationen gefüttert wird und schuf Norman, die erste psychopathische KI (Link, Achtung: gruselige Bilder!).

Die Gesellschaft muss entscheiden

Künstliche Intelligenz kann also Fluch und Segen zugleich sein. Wichtig ist, dass wir uns damit auseinandersetzen. Am 8. Juni 2019 haben sich die zwanzig führenden Wirtschaftsmächte der Welt erstmals auf Regeln zu Künstlicher Intelligenz verständigt. Wer KI entwickle oder einsetze «sollte die Rechtsgrundsätze, Menschenrechte und demokratische Werte respektieren». Ein erster Schritt ist vielleicht ein kürzlich von der Hochschule für Wirtschaft in Zürich publiziertes Whitepaper zur Digitalen Ethik. Die Autorin Cornelia Diethelm bringt es auf den Punkt: «Wir müssen als Gesellschaft entscheiden, wo Technologie eingesetzt wird und wo wir Menschen möchten statt Maschinen.»