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Fokus: Der Nachhaltige Staat

Heinz Nauer
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Am 4. November schickte der Bundesrat seine «Strategie Nachhaltige Entwicklung 2030» (SNE) in die Vernehmlassung. Die SNE bekräftige sein Engagement für die Erreichung der Agenda 2030 und ihrer 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (sustainable development goals, SDGs), so der Bundesrat. Besonderen Handlungsbedarf sieht er in den Bereichen Nachhaltiger Konsum und Produktion, Klima, Energie und Biodiversität sowie Chancengleichheit. Verschiedene Akteure kritisieren die Strategie schon jetzt als ungenügend. Das zivilgesellschaftliche Netzwerk «Plattform Agenda 2030» beispielsweise moniert in einer Stellungnahme, dass die SNE 2030 keine zusätzlichen Mittel vorsehe und Nachhaltige Entwicklung im Rahmen des courant normal der verschiedenen Ämter umgesetzt werden soll.

Nachhaltigkeit in staatliches Handeln implementieren: zehn Perspektiven

Doch wie lässt sich Nachhaltigkeit in staatliches Handeln implementieren? Was soll der Staat tun? Was kann er überhaupt tun? Und was tut er tatsächlich? Das Themendossier im neuen SAGW-Bulletin nimmt sich diesen Fragen an und trägt aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven zur weiteren normativen, funktionalen und empirischen Klärung der Verantwortung und Rolle des nachhaltigen Staats bei. «Wenn der Staat so entschlossen auf Corona reagieren kann, müsste er auch dazu in der Lage sein, den anthropogenen Klimawandel, das Artensterben oder die anhaltende gesellschaftliche Ungleichheit anzugehen», schreiben Basil Bornemann und Marius Christen, die an der Universität Basel zur «Sustanibilisierung des Staats» forschen und das Dossier mitkonzipierten, in der Einleitung.

Wie ein roter Faden zieht sich das Verhältnis von Nachhaltigkeit und Demokratie durch die zehn im Dossier versammelten Beiträge: Auch der Nachhaltige Staat bedarf zwingend der demokratischen Legitimation, hält beispielsweise Umweltgeisteswissenschaftler Ivo Wallimann-Helmer fest.

Alternativen zur dominanten Leitkultur des expansiven Konsums

Die Akademien der Wissenschaften Schweiz möchten die Forschung zu Fragen der nachhaltigen Entwicklung stärken. In diesem Jahr lancierte die Akademie der Naturwissenschaften die «Initiative für Nachhaltigkeitsforschung». Die SAGW legt in diesem Rahmen einen neuen Schwerpunkt auf die Frage nach Alternativen zur dominanten Leitkultur eines expansiven Konsums und also auf das zwölfte Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals): «Für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sorgen». Ihr Ziel ist es, Forscherinnen und Forscher aus den Geistes- und Sozialwissenschaften für dieses Thema zu gewinnen, zu vernetzen und Forschungsprojekte anzustossen.

Ein Arbeitspapier verortet den neuen thematischen Schwerpunkt im globalen Referenzrahmen der Agenda 2030 und stellt Fragen, die Geistes- und Sozialwissenschaftler umtreiben: Welche Narrative, Erlebnisse und Bilder erzeugt die Konsumwelt? Welches sind mögliche Rollenmodelle der Reduktion? Wie vertragen sich Forderungen nach schnellem Wandel mit auf Langsamkeit und Legitimation getrimmten Prozessen in der (direkten) Demokratie?

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