Rapport 2012/13

Jahresbericht 2012/13

Mitglieder: Brigitte Allenbach, Eva Fischer, Rohit Jain, Anne Lavanchy, Noémi Michel, Philippe Koch, Patricia Purtschert, Angela Sanders, Bernhard Schär, Barbara Schumacher, Virginia Suter-Reich.

(Da sich die AG gerade erst formiert und angesichts der lockeren Organisationsform ist diese Liste nicht abschliessend)

Die Arbeitsgruppe wurde im Jahr 2010 im Rahmen der Kritik der SEG am schweizerischen Migrationsdiskurs und an der Ausschaffungsinitiative gegründet. Ziele der Arbeitsgruppe sind die anthropologische Erforschung und Kritik politischer Diskurse und Lebenswelten in der Schweiz sowie die Diskussion der Verflechtung von Politik und wissenschaftlicher Praxis. Die Arbeitsgruppe versteht sich als interdisziplinäre Plattform, um Anliegen und Aktionen von ForscherInnen und AktivistInnen in diesem Themenbereich zu vernetzen. Lag der Fokus des Panels an der SEG-Tagung 2011 in Zürich auf konkreten anthropologischen Forschungsprojekten zum Politischen in der Schweiz, zielte die Periode 2012-2013 vor allem auf die Diskussion der Verflechtung von Wissenschaft und Politik und auf Möglichkeiten öffentlicher Interventionen. Das organisatorische Hauptziel bestand weiterhin im institutionellen Aufbau der Arbeitsgruppe und in der Profilierung der Aktivitäten.

1. Im Herbst 2012 fand ein Workshop in Bern statt. Im Zentrum stand die Diskussion über die Möglichkeiten öffentlicher Interventionen als Teil wissenschaftlicher Praxis. Im Anschluss an diesen Workshop organisierte sich eine interdisziplinäre Untergruppe mit Fokus Postkolonialismus und Rassismuskritik.

2. Die im Berner Workshop gegründete Untergruppe lancierte 2013 eine Intervention bei Amnesty International (AI). In einer politischen Kampagne gegen die schweizerische Asylgesetzpolitik stellte AI rechte und bürgerliche Politiker_innen als somalische Asylsuchende dar. In einem Brief an AI kritisierte die Angehörigen der Arbeitsgruppe die Verwendung der kulturellen Technik des „blackfacing“, das auf eine lange rassistische Tradition der „minstrel shows“ zurückgeht. Trotz der begrüssenswerten Kritik an der Asylgesetzrevision drohe die AI-Kampagne deshalb den strukturellen Rassismus in der Schweiz zu reproduzieren. In der Folge fand ein Gespräch mit AI über die Kampagne und die Problematik des Rassismus in der öffentlichen Kommunikation statt. Als mittelfristiges Ziel wurde die Organisation einer Fachkonferenz für PR- und Werbeagenturen und NGO’s zu diesem Thema in Erwägung gezogen. Des Weiteren wird als Fernziel die Erstellung eines visuellen und narrativen Archivs rassistischer und antirassistischer Diskurse in der Schweiz ins Auge gefasst.

3. Bis Ende 2013 soll ein Blog der Arbeitsgruppe eingerichtet werden. Der Blog soll Angehörigen der Arbeitsgruppe und interessierten Kreisen erlauben, Forschungen, Positionen, Interventionen und Events zu diskutieren und zu vermitteln, die zum Projekt einer politischen Anthropologie der Schweiz beitragen.

4. An der SEG-Tagung in Sierre 2013 findet eine Sitzung statt, in der die Arbeitsgruppe weiter institutionalisiert werden soll. Insbesondere soll ein Vorstand zusammengesetzt werden, es werden Ressorts verteilt und Aktivitäten für 2014 und 2015 geplant.