Panoramica
Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften

Nachhaltiger Konsum

Die gegenwärtige Nutzung der natürlichen Ressourcen bedroht zunehmend die Lebensgrundlagen von zahlreichen Bevölkerungsgruppen. Der hohe Handlungsbedarf wurde vielfach wissenschaftlich ausgewiesen. Auch im Alltag werden die negativen Auswirkungen der aktuellen Konsum- und Produktionsmodi auf die physische und soziale Umwelt spür- und sichtbar. Mit der Agenda 2030 der UNO liegt ein globaler Referenzrahmen vor, mit dem eine nachhaltige ökologische, soziale und ökonomische Entwicklung auf globaler, nationaler, regionaler und lokaler Ebene eingeleitet werden soll.

Aus den in der Agenda festgelegten 17 Nachhaltigkeitszielen und deren 169 Unterzielen ergeben sich zahlreiche Wechselwirkungen, die zu Synergie- und Konfliktpotenzialen führen. Unbestritten ist jedoch, dass der Verbrauch von natürlichen Ressourcen vom Gesamtkonsum abhängt, der durch den ökologischen Fussabdruck pro Kopf erfasst werden kann.

Globale Betrachtung

Die Weltbevölkerung konsumiert gegenwärtig mehr Ressourcen, als die Ökosysteme bereitstellen können. Damit die soziale und wirtschaftliche Entwicklung im Rahmen der Tragfähigkeit der Ökosysteme stattfinden kann, muss die Art und Weise, wie unsere Gesellschaft Güter produziert und konsumiert, grundlegend verändert werden.

Im Rahmen eines Zehnjahresprogramms wollen die Vereinten Nationen mittels elf Zielen nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster umsetzen. Bemerkenswert ist, dass für das SDG 12 explizit die höchst entwickelten Länder aufgefordert sind, Massnahmen zu ergreifen.

Konsum und Nachhaltige Entwicklung in der Schweiz

Das SDG 12 «Verantwortungvoller Konsum und Produktion» ist eines der prioritären Nachhaltigkeitsziele der politischen Schweiz. In der Strategie Nachhaltige Entwicklung 20162019 legte der Bundesrat 2016 für das SDG 12 fünf Ziele fest:

  1. Unternehmen nehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung in der Schweiz und im Ausland – überall dort, wo sie tätig sind – wahr.
  2. Unternehmen schöpfen ihre Ressourceneffizienz durch eine optimale Gestaltung ihrer Produktionsprozesse und Produkte aus.
  3. Die wirtschaftlichen und technischen Potenziale zur Schliessung von Stoffkreisläufen sind genutzt.
  4. Konsumentinnen und Konsumenten verfügen über ausreichende Informationen, um Kaufentscheide basierend auf Qualitäts-, Sicherheits- und Gesundheitsaspekten sowie in Kenntnis von ökologischen und sozialen Auswirkungen treffen zu können
  5. Der private Konsum trägt zur Reduktion des Ressourcenverbrauchs und der damit zusammenhängenden Umweltbelastung bei.

Die den Konsum betreffenden Ziele 4 und 5 wurden – im Gegensatz zu den die Produktion betreffenden Ziele – bislang nicht in grösseren Forschungsprogrammen bearbeitet. Hier besteht ein Nachholbedarf: Eine Auseinandersetzung mit dem Konsum scheint notwendig, weil dessen negativen Effekte ungebrochen zunehmen und dies mit globalen Auswirkungen. Anders gewendet: Investiert wird in jene Bereiche, die Fortschritte erzielen, hingegen nicht dort, wo der negative Trend ungebrochen ist.

Aktivitäten der SAGW

Im Rahmen der «Initiative für Nachhaltigkeitsforschung» der Akademien Schweiz, lanciert von der Akademie der Naturwissenschaften, will die SAGW im Jahre 2021 das SDG 12 breit bearbeiten.

Vorgesehen sind:

  • eine Veranstaltungsreihe in der Serie «La Suisse existe – La Suisse n'existe pas» unter dem Titel «Verantwortungsvoller(-loser) Konsum» in Zusammenarbeit mit den Fachgesellschaften, Unternehmen, Kommissionen und Kuratorien aus dem Netzwerk der SAGW;
  • ein Vernetzungsanlass Anfang Jahr für und mit Forscherinnen und Forschern, die sich mit Konsumforschung befassen;
  • eine öffentliche Veranstaltung Ende Jahr, welche die gewonnenen Erkenntnisse bündelt und vermittelt.

Fragen, welche die Aktivitäten begleiten werden, sind unter anderen: Welche Narrative, Erlebnisse und Bilder erzeugt die Konsumwelt? Welche Werte, Einstellungen, Vorstellungen, Gebote und Verbote beeinflussten den Konsum über die Jahrhunderte? Welches sind mögliche Rollenmodelle der Reduktion? Wie können die abstrakten Befunde zur Zerstörung der natürlichen Grundlagen des Lebens im Alltagsleben vermittelt werden? Welche Steuerungsinstrumente und Anreize können heute eingesetzt werden? Wie kann die Wohlfahrt und das gute Leben von der Idee des Wachstums entkoppelt werden? Wie vertragen sich Forderungen nach schnellem Wandel mit auf Langsamkeit und Legitimation getrimmten Prozessen in der (direkten) Demokratie?