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Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften

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Altersfreundliche Umgebung – aus Sicht älterer Menschen

François Höpflinger

Im Rahmen der Age Wohnerhebung 2018 wurden 2‘220 zuhause lebende ältere Menschen (65+) in der Schweiz zu ihrer Wohnsituation und ihren Wohnbedürfnissen befragt. Entscheiden sind die persönliche Situation und die Wohnumgebung.

Wird nach der Zufriedenheit mit verschiedenen Aspekten der aktuellen Wohnumgebung gefragt, zeigen sich insgesamt eher hohe Zufriedenheitswerte. Allerdings sind bedeutsame Unterschiede zwischen den Sprachregionen feststellbar. Speziell in der italienischsprachigen Schweiz ist die Zufriedenheit mit vielen Aspekten der Wohnumgebung geringer als in den zwei anderen Sprachregionen. Weniger zufrieden sind die italienischsprachigen Altersrentner und Altersrentnerinnen etwa mit den Einkaufsmöglichkeiten (speziell in ländlichen Regionen), dem öffentlichen Verkehr, der Verkehrssicherheit und der Lärmbelastung.

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Zufriedenheit mit verschiedenen Aspekten der Wohnumgebung 2018

Zuhause lebende Befragte 65+ nach Sprachregion:

 „Wie zufrieden sind Sie mit den folgenden Aspekten Ihrer Wohnumgebung? Wenn Sie ganz und gar zufrieden sind, geben Sie den Wert 10 an, wenn Sie ganz und gar unzufrieden sind, geben Sie den Wert 1 an. Mit den Werten dazwischen können Sie Ihre Zufriedenheit abstufen.“

  DS WS IT
Nachbarschaftskontakte 8.3 8.2 8.0
Einkaufsmöglichkeiten 8.3 8.0 7.2
Möglichkeiten für Freizeitgestaltung 8.4 7.6 7.9
Öffentliche Grünräume/Parks  8.6 8.4 7.6
Nähe zum öffentlichen Verkehr  8.9 8.6 7.7
Verkehrssicherheit 8.5 8.0 7.3
Öffentliche Sicherheit   8.4 8.0 7.9
Ruhe im Quartier 8.6 8.4 7.8

DS: Deutschsprachige Schweiz, WS: französischsprachige Schweiz, IT: italienische Schweiz.

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Allgemein zeigt sich in Städten eine geringere Zufriedenheit bezüglich Nachbarschafts­kontakten, Ruhe im Quartier oder öffentlicher Sicherheit als in Agglomerationsgemeinden oder auf dem Land. Umgekehrt ist die Zufriedenheit mit den Einkaufsmöglichkeiten und der Nähe zum öffentlichen Verkehr in ländlichen oder peripheren Gemeinden geringer.

Persönliche Situation beeinflusst die Zufriedenheit

Im Alter wird die Zufriedenheit mit der Wohnumgebung auch von der subjektiven Gesundheit beeinflusst und zwar werden bei schlechterer subjektiver Gesundheit alle Merkmale der Wohnumgebung – von den Nachbarschaftskontakten, Einkaufsmöglichkeiten, öffentliche Sicherung bis zur Ruhe im Wohnquartier – negativer beurteilt. Bei eingeschränkter Gesundheit im Alter werden negative Merkmale der Wohnumgebung stärker gewichtet, wogegen gesunde alte Menschen von negativen Wohnaspekten weniger betroffen sind (z.B. kann das Fehlen von Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten im Quartier durch Aktivitäten ausserhalb des Wohnquartiers kompensiert werden).

Sozio-ökonomische Merkmale sind insofern bedeutsam, als Altersrentner und Alters­rentnerinnen, die eine schwierige finanzielle Lage anführen, praktisch mit allen Umgebungsaspekten weniger zufrieden sind als gleichaltrige Befragte, die sich finanziell abgesichert einschätzen. Personen mit wenig finanziellen Ressourcen müssen überdurch­schnittlich häufig eine Wohnlage mit schlechteren Umgebungsfaktoren in Kauf nehmen bzw. sie können sich eine gute Wohnumgebung häufiger nicht leisten.

Wohnumgebung ist wichtig

Die allgemeine Wohnzufriedenheit im Rentenalter variiert interessanterweise weniger mit Merkmalen der Wohnung selbst, sondern stark mit der Einschätzung der Wohnumgebung (ein Ergebnis, das sich auch der im gleichen Jahre durchgeführten österreichischen Wohnerhebung zeigte). Nahegelegene Einkaufsmöglichkeiten, gute Nachbarschaftsbeziehungen und genügend Grünflächen in der Wohnumgebung erweisen sich als stärkere Einflussfaktoren der allgemeinen Wohnzufriedenheit als Qualitätsmerkmale der Wohnung selbst. Funktional-gerontologische Ansätze, welche primär die Passung von Wohnung und Person ins Zentrum rücken, sind entsprechend zu eng. Eine altersgerechte Wohnung ohne hindernisfreien Zugang zur Wohnung verstärkt nur den sozialen Rückzug in die eigene Wohnung. Zentral für ein gutes Wohlbefinden im Alter sind infrastrukturelle, ökologische und soziale Merkmale der Wohnumgebung.

Benützte Quellen:

  • Höpflinger, François (2018) Wohnen im höheren Lebensalter – Österreich und Schweiz im Vergleich, in: Kolland, Franz; Rohner, Rebekka; Hopf, Stefan; Gallistl, Vera: Wohnmonitor Alter 2018. Wohnbedürfnisse und Wohnvorstellungen im Dritten und Vierten Lebensalter in Österreich; Innsbruck/Wien: Studienverlag:39-48.
  • Höpflinger, François; Hugentobler, Valérie; Spini, Dario (eds.) (2019) Wohnen in den späten Lebensjahren. Grundlagen und regionale Unterschiede, frz: Habitat et vieillissement. Réalités et enjeux de la diversité), Zürich: Seismo Verlag. (Internet: www.age-report.ch).

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