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Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften

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Fokus: Big Data in den Sozialwissenschaften

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Big Data ist ein Schlagwort, eine Projektionsfläche gleichermassen für Digitalphantasien wie für Kulturkritik. Big Data ist aber auch schon länger eine gelebte Praxis in der Forschungslandschaft. Spätestens seit der Lancierung des Nationalen Forschungsprogramms 75 im Jahr 2015 hat Big Data auch in der Schweiz Einzug in die akademische Forschung gehalten: In der Informatik, der Physik, der Mathematik. Auch die Wirtschaftswissenschaften befassen sich mit grossen Datenmengen – die anderen sozialwissenschaftlichen Disziplinen hingegen kaum.

Bericht «Big Data in der Lehre» erschienen

Wie sieht es in der Lehre aus? Der Bericht «Big Data in der Lehre in den Sozialwissenschaften», der 2019 im Auftrag der SAGW erarbeitet wurde und im November erschienen ist, gibt basierend auf einer Online-Befragung von rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an Schweizer Universitäten und Hochschulen klare Hinweise. Er zeigt: Big Data ist in der sozialwissenschaftlichen Lehre angekommen, jedoch nicht hinreichend institutionalisiert und wenig auf die akademischen Curricula abgestimmt.

Es sei deshalb an der Zeit, den Mehrwert von Big Data «aufzuzeigen sowie die Kombination von unterschiedlichen Datentypen und weiteren möglichen Forschungsdesigns zu thematisieren», schreiben Markus Zürcher und Peter Farago in der Einführung zum Bericht.

Der Bericht hält zudem fest: In der Forschung wird häufig mit Administrativdaten, beispielsweise Steuerdaten, gearbeitet, in der Lehre hingegen häufiger mit Social-Media-Daten, beispielsweise von Twitter. Aus der Befragung ergeben sich zudem mehrere Gründe dafür, weshalb Big Data in der Lehre nicht stärker verankert ist: Beispielsweise verfügen Dozentinnen und Dozenten, Studenten und Studentinnen häufig nicht über die nötigen Statistik- und Programmierkenntnisse; zudem fehle häufig eine geeignete Infrastruktur.

Big Data konkret

Auf der Ebene des Datenmanagements, in der Beschäftigung mit standardisierten Metadaten, mit Fragen der Interoperabilität von Daten wird Big Data erstens konkret und zweitens entmystifiziert. Deutlich machte dies eine Präsentation von Georges-Simon Ulrich, Direktor des Bundesamtes für Statistik, am 18. November in einer Veranstaltung der Reihe Science at Noon im Haus der Akademien. Gegenüber dem Begriff «Big Data» zeigte er sich indes zurückhaltend: er bevorzuge es, einfach von «Daten» zu sprechen, so Ulrich. Einen breiten Überblick zu Big Data jenseits des von Ulrich in seiner Präsentation kritisierten «Hypes» gibt das im Herbst 2018 erschienene SAGW-Bulletin «Open und Big Data: Neue Herausforderungen».