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Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften

Projekt Toponomastik

Projektziel

Das Projekt Toponymie de la Suisse romande will den Anstoss geben für eine umfassende Westschweizer Namenforschung. Zurzeit gibt es in der Westschweiz kein Werk zu den Orts- und Flurnamen, wie dies in anderen Teilen der Schweiz der Fall ist.

Projektstart

Das Projekt Toponymie de la Suisse romande hat im Jahre 2016 seinen Anfang genommen, als Federica Diémoz, Iwar Werlen und Manuela Cimeli die Möglichkeit hatten, Herrn Olivier Maradan, dem früheren Generalsekretär der Conférence intercantonale de l’instruction publique de la Suisse romande et du Tessin (CIIP), die Projektidee vorzustellen. Sie mussten sich an die CIIP wenden, weil sie die rechtmässige Eigentümerin der Materialien ist, die sich in der Redaktion des Glossaire des patois de la Suisse romande (GPSR) befinden. Die CIIP gab im offiziellen Schreiben vom 22.11.2016 ihr Einverständnis für den Projektstart. Startpunkt des Projekts war die Retrodigitalisierung des Fichier Murets sowie das Einfügen dessen Daten in die Flurnamen-Datenbank (Fluna) der Universität Bern (zugänglich via die Seite des GPSR, unter Documentation du GPSR).

Fichier Muret

Beim Fichier Muret handelt es sich um ein Orts- und Flurnamenverzeichnis aus den 1920er Jahres. Im Jahre 1902 wurde Ernest Muret seitens des GPSR beauftragt, eine breit angelegte Erhebung zu den Orts- und Flurnamen der französischsprachigen Schweiz durchzuführen. Während 30 Jahren hat er gemeinsam mit seinem Team die Kadasterpläne der damals 946 Gemeinden nach Orts- und Flurnamen durchforstet und diese in Patois oder Französisch auf Fichen aufgelistet. Aus dieser sorgfältig durchgeführten Arbeit ist der Fichier Muret mit einem Umfang von 120'000 Zetteln entstanden.

Digitalisierung

Bis Ende 2019 wurden sämtliche Fichen des Fichier Muret retrodigitalisiert, in die Datenbank Fluna eingetragen und mit dem GPSR sowie der Plattform www.ortsnamen.ch verlinkt. Die Plattform ortsnamen.ch weist nun auch eine französische Oberfläche auf, nämlich www.toponymes.ch. In Planung für die kommenden Jahre ist die Ergänzung der bisher vorliegenden Orts- und Flurnamen des Fichier Muret durch etymologische Belegreihen. Dazu sind Recherchen in verschiedenen Archiven notwendig.

Organisation und Finanzierung

Die Projektgruppe wurde bis Ende 2019 von Iwar Werlen präsidiert (Prof. em. der Universität Bern). Die technischen Arbeiten obliegen den Informatik-Spezialisten Hannes Degen (Universität Bern), Tobias Roth (Schweizerisches Idiotikon), Pierre Ménétrey (Universität Neuchâtel) sowie Fabrice Camus (Haute-École ARC, Neuchâtel).

Fürs wissenschaftliche Arbeiten zuständig sind Iwar Werlen, Thomas Schneider (Universität Bern), Jérémie Delorme (GPSR) sowie die im GPSR befristet fürs Projekt angestellten Mitarbeitenden Julie Rothenbühler, Nathaniel Hiroz, Cassandre Javet und Othilie Girardin. Auch die 2019 leider viel zu früh verstorbene Federica Diémoz, Leiterin des Centre de dialectologie et d’étude du français régional, war ein wichtiges Mitglied unserer Projektgruppe. Das Projekt wird zurzeit finanziell von der SAGW getragen und von Manuela Cimeli seitens der SAGW begleitet.

Pilotprojekt

In einem Pilotprojekt werden wir uns auf die Gemeinden auf dem Plateau de Diesse (auf Deutsch Tessenberg, oberhalb von Biel) beschränken. Anhand dieser Gemeinden werden wir veranschaulichen, welch reichhaltigen Informationen zu den Orts- und Flurnamen aus den historischen Quellen gewonnen werden können. Daraus wiederum wird die soziokulturelle Bedeutung solcher Namen und Ortsbezeichnungen sichtbar.

Mittelfristiges Ziel ist die Erstellung eines Ortsnamen-Lexikons für den (französischen) Berner Jura (Jura bernois) geplant. Um die Untersuchung und Dokumentation der französischen Orts- und Flurnamen des zweisprachigen Kantons hat sich bisher niemand gekümmert. Die deutschen Orts- und Flurnamen des Kantons Bern hingegen wurden und werden im Ortsnamenbuch des Kantons Bern erarbeitet.

Mit dem Projekt wird die Absicht verfolgt, diese Lücke zu füllen und dem Kanton Bern eine stabile Basis und ein motiviertes und überaus kompetentes Team zu bieten, um die Orts- und Flurnamen seines ganzen Kantonsgebiets zu dokumentieren.

Offen ist zurzeit die Finanzierung. Die SAGW wird das Projekt noch im laufenden Jahr finanzieren können, dann muss das Projekt anderweitig getragen werden – im Idealfall mit kantonaler Unterstützung.

Arbeitsgruppe

  • vakant, Präsidium
  • Manuela Cimeli, SAGW, Koordination und Administration
  • Jérémie Delorme, Glossaire des patois de la Suisse romande, Université de Neuchâtel
  • Julie Rothenbühler, Glossaire des patois de la Suisse romande, Université de Neuchâtel
  • Nathaniel Hiroz, Glossaire des patois de la Suisse romande, Université de Neuchâtel
  • Othilie Girardin, Glossaire des patois de la Suisse romande, Université de Neuchâtel
  • Cassandre Javet, Glossaire des patois de la Suisse romande, Université de Neuchâtel
  • Thomas Franz Schneider, Forschungsstelle für Namenkunde, Universität Bern
  • Hannes Degen, Forschungsstelle für Namenkunde, Universität Bern
  • Tobias Roth, Schweizerisches Idiotikon, IT-Spezialist, Verantwortlicher www.ortsnamen.ch
  • Pierre Ménétrey, IT-Spezialist, Université de Neuchâtel
  • Fabrice Camus, IT-Spezialist, HE-ARC, Neuchâtel

Impressionen der Tagung

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