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Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften

Innovation

Der Beitrag der Geistes- und Sozialwissenschaften zur Innovation

Eine Vielzahl von Akteuren sind an Innovationen beteiligt: Produzenten und Konsumentinnen, Profis und Laien, Nutzer und Expertinnen, Forscherinnen und Designer und weitere mehr. Innovation lässt sich deshalb nicht bloss unter dem Gesichtspunkt der sogenannten exakten Wissenschaften betrachten.

Drei Phänomene verstärken in jüngerer Zeit den Beitrag der Geistes- und Sozialwissenschaften zu Innovation: Erstens erfordert die ökonomische Wertschöpfung immer mehr Kompetenzen im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften. Unternehmen investieren zunehmend in das Design, das Branding, in Storytelling und in den Kundendienst. Zweitens entstehen im Zeichen des digitalen Wandels neue Formen von Marketing und Geschäftsmodellen, die sich auf bescheunigten Wissensaustauschund und gemeinsame Nutzung von Informationen stützen. Drittens verlangen die grossen Herausforderungen unserer Zeit – anders als noch in der Globalisierung der 1980er- und 1990er-Jahre als die Produkte im Zentrum standen – nach veränderten soziokulturellen Praktiken und Normen.

Studie legt systematische Grundlage

Mit fast zwei Dritteln der an den Hochschulen erfassten Personen kommen den Geistes- und Sozialwissenschaften im schweizerischen Bildungs-, Forschungs- und Innovationssystem eine bedeutende Stellung zu. Ihr Beitrag zu Innovation wird jedoch oft nicht erkannt. Bis anhin gibt es auch kaum substanzielle Studien, die sich mit dem Verhältnis der Geistes- und Sozialwissenschaften und der Innovation befassen.

Die Studie «Der Beitrag der Geistes- und Sozialwissenschaften zur Innovation in der Schweiz», verfasst von einem Autorenteam der Universität Neuenburg, schafft eine Grundlage für die weitere Beschäftigung mit der Frage nach dem Verhältnis von Innovation und geistes- und sozialwissenschaftlicher Forschung. Zusammen mit einem zweiten, rein empirisch orientierten Bericht, bildet sie eine von sieben Teilstudien, die das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) Ende Februar 2020 im Kontext des Berichts «Forschung und Innovation in der Schweiz 2020» mit dem Ziel publizierte, die Leistungsfähigkeit des Schweizer Forschungs- und Innovationssystem zu evaluieren.

Vier Schlüsselfunktionen

Die Studie identifiziert vier Schlüsselfunktionen der Geistes- und Sozialwissenschaften im Kontext des schweizerischen Innovationssystems und der internationalen Grand Societal Challenges (siehe Grafik):

  • Entreprendre (unternehmen, initiieren): Die Geistes- und Sozialwissenschaften tragen dazu bei, neue Aktivitäten und Geschäftsmodelle zu entwickeln; hier kommen vor allem organisations- und marktbezogene Wissenschaften zum Tragen wie die Psychologie, die Wirtschafts- und Rechtswissenschaften oder das Design.
  • Donner du sens (Sinn verleihen): Die Geistes- und Sozialwissenschaften erläutern und inszenieren gemeinsame Werte, die Innovationen zugeschrieben werden; gefragt ist insbesondere die Expertise der Kunst- und Literaturwissenschaften, der Geschichte, der Psychologie oder der Theologie.
  • Encadrer (einen Rahmen geben): Die Geistes- und Sozialwissenschaften tragen dazu bei, den gesellschaftlichen Rahmen zu definieren, in dem sich Innovation abspielt; hier stehen die Kompetenzen der Politologie, der Volkswirtschaftslehre, der Rechts- und Medienwissenschaften im Vordergrund.
  • Co-innover (gemeinsam erneuern): Die Geistes- und Sozialwissenschaften tragen entscheidend zu Diskussionen über geteilte Werte in der Gesellschaft bei und spielen eine aktive Vermittlerrolle.

Hugues Jeannerat, Olivier Crevoisier, Gaël Brulé et Christian Suter (2020) : L’apport des sciences humaines et sociales à l’innovation en Suisse, publié par le Secrétariat d’État à la formation, à la recherche et à l’innovation (SEFRI).

Französische Originalversion (68 Seiten)

Kurzzusammenfassung auf Deutsch (27 Seiten)