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Die Geistes- und Sozialwissenschaften und die Innovation

19.05.2020, 13:30 - 17:30
Université de Neuchâtel, Aula des Jeunes-Rives, Espace Tilo-Frey 1, 2000 Neuchâtel

Erfindungen gehen meist aus den Natur- und Ingenieurwissenschaften hervor. Doch solange sie nicht in der Gesellschaft aufgenommen werden, stellen sie noch keine Innovationen dar. Es sind in der Regel die Geistes- und Sozialwissenschaften, dank denen sich Erfindungen in Innovationen umwandeln lassen. Die Tagung befasst sich mit dieser schöpferischen Kraft der Geistes- und Sozialwissenschaften.

Die Schweiz sieht sich wie alle Länder mit wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Herausforderungen konfrontiert, welche die Funktion und die Definition von Innovation und die an sie adressierten Ansprüche massgeblich erweitern. Bei Innovationen geht es nicht nur um die Entwicklung neuer Technologien, die sich in neuen Produkten oder Prozessen manifestieren. Innovation umfasst auch die Entwicklung neuer Praktiken, die in der Gesellschaft verbreitet und angenommen werden.

Den Wandel erschaffen

Durch ihre Forschung und Ausbildungsangebote tragen die Geistes- und Sozialwissenschaften entscheidend dazu bei, Innovationsmöglichkeiten zu identifizieren, Innovationen entstehen zu lassen und diese sowohl mit einem monetären als auch kulturellen Wert zu versehen. Als in der Gesellschaft verortete Wissenschaften schaffen die Geistes- und Sozialwissenschaften Erneuerungen und sind für den gesamten Ablauf von Innovationsprozessen relevant: (i) im Bereich von Wirtschaft und Industrie, um Erfindungen in Marktinnovationen umzuwandeln (Produkte, Dienstleistungen und Erfahrungen); (ii) im Kulturbereich, um gemeinsame Bedeutungen und geteilte Werte zu schaffen, damit wirtschaftliche und soziale Veränderungen überhaupt vorstellbar und durchführbar werden; (iii) auf sozialer, politischer und institutioneller Ebene, um erwünschten Innovationen eine wünschenswerte Richtung zu geben und sie zu verbreiten und zu etablieren.

Neuer Bericht legt Grundlage für die weitere Beschäftigung mit Innovation

Trotz dieser entscheidenden Leistungen wird der Beitrag der Geistes- und Sozialwissenschaften zur Innovation kaum identifiziert und hervorgehoben. Bis anhin gibt es auch kaum substanzielle Studien dazu. Ende Februar publizierte das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) den Bericht «Der Beitrag der Geistes- und Sozialwissenschaften zur Innovation in der Schweiz». Dieser legt erstmals eine systematische Grundlage für die weitere Beschäftigung mit der Frage nach dem Verhältnis von Innovation und geistes- und sozialwissenschaftlicher Forschung. Das Autorenteam von der Universität Neuenburg präsentiert darin vier Schlüsselfunktionen: entreprendre (unternehmen, initiieren), donner du sens (Bedeutung zuschreiben, Sinn geben), encadrer (umrahmen, flankieren) und co-innover (ko-innovieren, gemeinsam erneuern).

In einem politischen und sozialen Kontext, der eine entschlossene und entscheidende Beteiligung der Hochschulen an den heutigen «grossen gesellschaftlichen Herausforderungen» (Grand Societal Challenges) erfordert, lädt diese Konferenz zu weiteren Überlegungen zu den vier im Bericht präsentierten Funktionen ein. Die Debatte wird sich darauf konzentrieren, wo und wie die Geistes- und Sozialwissenschaften nicht nur Enabling Sciences, sondern auch Schöpferinnen von Innovationen sein können. Das Programm deckt die verschiedenen Perspektiven auf das Thema ab: Die Referentinnen und Referenten sind in der Forschung und der Praxis, in der öffentlichen und der privaten Innovationsförderung tätig.

Die Tagung findet am 19. Mai am Nachmittag an der Universität Neuenburg statt. Anmeldeschluss ist der 14. Mai.

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