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Last Stop: Green Deal. Forschungsverbundförderung in Horizon 2020

Joël Graf, Euresearch
Wissenschaftssystem akademische Karriere

Der Green Deal Call bietet für die Geistes- und Sozialwissenschaften eine letzte, aussergewöhnliche Gelegenheit, am Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020 teilzunehmen.

Der Mehrwert europäischer Forschung

Das europäischen Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020 (2014–2020) ist für die Schweiz die zweitwichtigste öffentliche Förderquelle. Nur der Nationalfonds unterstützt mehr Projekte. Die Zusammenarbeit mehrerer Akteure in Konsortien – die sogenannte Verbundforschung – macht einen wesentlichen Teil von Horizon 2020 aus. Das Besondere daran: Nicht nur akademische, sondern auch ausserakademische Akteure werden gefördert. Das bedeutet, dass Firmen, die öffentliche Verwaltung, aber auch Nichtregierungsorganisationen antragsberechtigt sind. Gerade für die Geistes- und Sozialwissenschaften birgt dieser Ansatz grosses Potential. Man denke etwa an die Möglichkeit für Historikerinnen, gemeinsam mit Museen und IT-Spezialisten im Bereich Digital Humanities zusammenzuarbeiten (Beispiel: Mingei Projekt). Politikwissenschaftler können zusammen mit NGOs Fragen zur demokratischen Partizipation klären (Beispiel: EURYKA). Die Bedeutung solcher transdisziplinären Kooperationen manifestiert sich gerade vor dem Hintergrund der von der SAGW lancierten Diskussion über den Beitrag der Geistes- und Sozialwissenschaften zur Innovation.

Der Green Deal Call

Horizon 2020 neigt sich dem Ende entgegen. Für Geistes- und Sozialwissenschaftlerinnen bietet sich nun eine letzte und aussergewöhnliche Gelegenheit, in einem Forschungsverbundprojekt teilzunehmen. Dabei geht es um den sogenannten Green Deal Call, der vor kurzem von der Europäischen Kommission lanciert worden ist. Ziel ist «die Mobilisierung von Forschung und Innovation zur Förderung einer gerechten und nachhaltigen sozialen Transition mit dem Anspruch, niemanden zurückzulassen». Der Call beinhaltet 11 verschiedene thematische Felder, wozu unter anderem Energie, Mobilität und Ernährung gehören. Von besonderem Interesse für die GSW ist das thematische Feld Nr. 10: Empowering citizens for transition towards a climate neutral, sustainable Europe. Darin sind die folgenden Ausschreibungen vorgeschlagen:

European capacities for citizen deliberation and participation for the Green Deal

Behavioural, social and cultural change for the Green Deal

Enabling citizens to act on climate change and environmental protection through education, citizen science, observation initiatives, and civic involvement

Bei diesen Ausschreibungstexten handelt es sich zwar erst um Entwürfe, die momentan noch überarbeitet werden (die offizielle Publikation ist für Mitte September vorgesehen). Doch bereits jetzt ist klar, dass die Expertise der GSW zur Bewältigung der skizzierten Herausforderungen unverzichtbar ist. Übrigens erwartet die Europäische Kommission auch in allen anderen Ausschreibungen des Green Deal den Einbezug der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Dimensionen. Die Deadline für die Einreichung von Gesuchen ist Ende Januar 2021. Interessierte Forscherinnen und Forscher können sich für weitere Informationen an das Netzwerk Euresearch wenden, das im Auftrag des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation zu den europäischen Forschungsprogrammen berät.

Ausblick auf Horizon Europe

Im kommenden Jahr wird Horizon 2020 vom neuen Forschungsrahmenprogramm Horizon Europe (2021–2027) abgelöst. Die bekannten Fördermöglichkeiten des Europäischen Forschungsrates (ERC) und den Marie Skłodowska-Curie Actions sind hier wieder prominent vertreten. Der grösste Teil des Budgets geht allerdings in die Verbundforschung der Global Challenges, das sich stark an den Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 ausrichtet. Auch hier wird es erneut zahlreiche Ausschreibungen haben, die für die GSW von Relevanz sind. Besonders gespannt darf man diesbezüglich auf das Programm Culture, Creativity and Inclusive Society sein. Es kann ganz allgemein davon ausgegangen werden, dass neben den exzellenten nationalen Fördermöglichkeiten innerhalb Schweiz die europäische Zusammenarbeit im Bereich Forschung und Innovation weiter an Bedeutung gewinnen wird.

In diesem Sinne: Go for the Green Deal. Go for Europe.

 

Joël Graf ist bei Euresearch als National Contact Point für die europäische Verbundforschung im Bereich Sozial- und Geisteswissenschaften zuständig. Er steht für Fragen zum Green Deal und anderen Fördermöglichkeiten gerne zur Verfügung (Mail). Für interessierte Forschende veranstaltet Euresearch am 25. August zudem einen Green Deal Onlineevent. 

 

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