Akademische Karrierewege

Akademische Karrierewege nach dem Doktorat

Die Schweiz tut sich schwer mit der Nachwuchsförderung. Zwischen rund 5000 und 8000 Postdocs arbeiten an Schweizer Universitäten und Hochschulen in befristeten Anstellungen. Nur wenige von ihnen werden je einen unbefristeten Arbeitsvertrag im Bereich der Forschung und Lehre erhalten. Der akademische Karriereweg erinnert in seiner Unberechenbarkeit an ein «Leiterlispiel». Es gibt verschiedene Ansätze und Ideen für verlässlichere Karriereperspektiven gerade für den oberen Mittelbau. Grosse Reformen sind bislang aber ausgeblieben.

Die SAGW setzt sich für einen Richtungswechsel in der akademischen Nachwuchsförderung ein: Die Karrierewege sollen flexibler und durchlässiger werden und nicht länger im Zeichen der Prekarität stehen. 2018 publizierte die SAGW den Bericht «Next Generation: für eine wirksame Nachwuchsförderung», der eine breite Debatte über eine zeitgemässe Nachwuchsförderung mitangestossen hat. Im August 2020 folgt daran anschliessend der Bericht «Next Generation und Third Space: neue Karriereprofile im Wissenschaftssystem».

Thematisch passendes Leiterlispiel «per aspera ad astra» (2017)

Next Generation und Third Space: neue Karriereprofile im Wissenschaftssystem

Der promovierte Soziologe, der ein Forschungsprojekt koordiniert, die Betriebswissenschaftlerin mit MBA-Abschluss, die eine Graduate School aufbaut, die Psychologin, die für die Qualitätskontrolle bei Prüfungen zuständig ist: Sie alle übernehmen in einem Kontinuum zwischen den Polen Forschung und Administration Übersetzungs- und Vermittlungsaufgaben. In den letzten rund 10 Jahren hat sich für diesen akademischen Zwischenraum der Begriff «Third Space» eingebürgert. Eine Diskussion über dessen Bedeutung wurde in der Schweiz bislang nur in Ansätzen geführt.

Die Studie «Next Generation und Third Space: neue Karriereprofile im Wissenschaftssystem» macht den Third Space fassbar. Professorinnen und Professoren aus den Geistes- und Sozialwissenschaften schätzen die Praxis und den Bedarf an Third-Space-Profilen ein; auf quantitativer Ebene wird der Umfang der bestehenden Third-Space-Stellen im Wissenschaftssystem abgeschätzt.

Der Bericht liefert so einen Beitrag zur Diskussion über eine zeitgemässe Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und alternative Karriereoptionen, welche die SAGW 2018 mit dem Bericht «Next Generation: für eine wirksame Nachwuchsförderung» mitangestossen hat.

Ein alternativer Weg zur Professur?

Die Autorinnen Sabina Schmidlin, Eva Bühlmann und Fitore Muharremi, welche die Studie im Auftrag der SAGW durchführten, kommen zum Schluss:

  • Der Third Space ist längst eine Realität. Mehr als jede sechste Stelle an Schweizer Hochschulen ist gemessen an Vollzeitäquivalenten eine Third-Space-Stelle.
  • Der Bedarf an Third-Space-Stellen wird weiter steigen, doch mit steigenden Ansprüchen, für deren Befriedigung ein Doktorat allein nicht ausreicht.
  • Diffuse Begrifflichkeiten schmälern die Profilierung einer eigenständigen Personalgruppe.
  • Positionen im Third Space werden häufig nicht als gleichwertige akademische Karriereweg angesehen, sondern mit einer verpassten akademischen Karriere assoziiert.
  • Der Frauenanteil im Third Space beträgt rund 70 Prozent. Es besteht die Gefahr, dass er als Rückzugsgebiet für Frauen mit familiären Betreuungspflichten angesehen wird.

Zusammenfassung

Empfehlungen der Arbeitsgruppe «Wissenschaftskultur der Geisteswissenschaften»

Next Generation: Für eine wirksame Nachwuchsförderung

Die Situation des akademischen Nachwuchses – speziell in den Geisteswissenschaften und besonders des Nachwuchses mit Doktorat – ist seit längerer Zeit unbefriedigend. In der Schweiz arbeiten zwischen rund 5000 und 8000 Postdocs in befristeten Anstellungen. Nur wenige von ihnen werden je einen unbefristeten Arbeitsvertrag im Bereich der akademischen Forschung und Lehre erhalten. Die Situation der Postdocs kann nur mit deutlichen Veränderungen am bestehenden System verbessert werden.

Thomas Hildbrand beschreibt in seinem Bericht den Status quo, analysiert die Herausforderungen, skizziert eine Vision mit Leitprinzipien, macht Vorschläge für konkrete Massnahmen und formuliert Empfehlungen vor allem an die Universitäten, deren Koordinationsorgan swissuniversities und deren Trägerschaften sowie an Bund und Nationalfonds. Im Zentrum der Empfehlungen steht die Etablierung von mehreren Karrierewegen für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Der Bericht liefert so einen Beitrag zur Diskussion über eine zeitgemässe Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Executive Summary

Empfehlungen

Wie durchlässig sind die Karriereweg im Wissenschaftssystem?