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Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften

Jahresversammlung

Präsidentenkonferenz 2018

An der Präsidentenkonferenz vom 1. Juni 2018 in Winterthur präsentierte die SAGW die zentralen Anliegen ihrer Mehrjahresplanung 2021-2024. Diskutiert wurden wesentliche forschungspolitische Anliegen, übergeordnete Ziele in den Grund- und Sonderaufgaben sowie die Ausrichtung der thematischen Arbeiten.

Die SAGW hat einen Leistungsauftrag des Bundes zur Förderung der geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschung. Alle vier Jahre werden die Ziele neu definiert. Nächstes Jahr ist es wieder soweit. Im Frühjahr 2019 wird die SAGW ihre Mehrjahresplanung 2021-2024 beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) einreichen. Die Aufgaben der SAGW lassen sich in drei Bereich unterteilen: Grundaufgaben, Sonderaufgaben und thematische Arbeiten.

Grundaufgabe Förderung

Forschungsförderung ist die Grundaufgabe der SAGW. «Vermitteln, vernetzten, fördern» - der Claim der SAGW verdeutlicht die zentralen Ziele, die sich auch in der nächsten Förderperiode nicht ändern werden. Im Fokus stehen hier insbesondere die Fachgesellschaften. Die SAGW finanziert wissenschaftliche Zeitschriften, unterstützt Tagungen und Veranstaltungsreihen und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs. In den nächsten Jahren sollen die Fachgesellschaften mehr noch als bisher thematisch eingebunden und vernetzt werden. Vieles wurde hier schon erreicht. Fast zu allen geistes- und sozialwissenschaftlichen Themen gibt es inzwischen Fachportale. Zudem präsentierten die Fachgesellschaften unter dem Label «La Suisse existe – La Suisse n’existe pas» bereits fünf thematische Veranstaltungsserien. Diese Aktivitäten sollen in der nächsten Förderperiode weiter unterstützt werden. Bei den Zeitschriften setzt sich die SAGW insbesondere für die Open-Access-Verfügbarkeit ein und fördert alternative Publikationsformen. Auf internationaler Ebene strebt die SAGW die Mitgliedschaft bei DARIAH an. DARIAH ist ein europäischer Verbund, der die digitale Forschung in den Geisteswissenschaften fördert.

Sonderaufgabe Forschungsinfrastrukturen

Die SAGW ist die grösste Trägerorganisation für geisteswissenschaftliche Forschungsinfrastrukturen in der Schweiz. Dazu gehören sechs Unternehmen und vier nationale Wörterbücher. Neu werden in den nächsten Jahren acht Editionen hinzukommen, welche die SAGW vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) übernimmt. Die Förderung und Koordination dieser Forschungsinfrastrukturen ist eine im Forschungsgesetz (Art. 11, Abs. 6) geregelte Sonderaufgabe der SAGW. Speziell an den geisteswissenschaftlichen Forschungsinfrastrukturen ist, dass es sich meist um kleine Einrichtungen mit einem Budget unter 5 Mio Franken pro Jahr handelt. Damit erreichen sie nicht die Minimalgrenze, die das SBFI für die Teilnahme an der Schweizer Roadmap für Forschungsinfrastrukturen vorsieht. Die SAGW will die Sichtbarkeit der Forschungsinfrastrukturen erhöhen, unter anderem mit einem Akademie-Portal als Einstieg zu den verfügbaren Datenbanken. Ein wichtiges Ziel ist, dass die Forschungsinfrastrukturen der SAGW die FAIR-Data-Principles einhalten. FAIR steht für «Findable, Accessible, Interoperable und Reusable».

Koordinierte Aufgaben: thematische Schwerpunkte

Die SAGW fokussiert ihre Arbeit auf verschiedene thematische Schwerpunkte. So bearbeitet sie beispielsweise Fragen zu «Sprachen und Kulturen», unter anderem mit der Veranstaltungsreihe «La Suisse existe – la Suisse n’existe pas». Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern der Akademien der Wissenschaften Schweiz leistet die SAGW zudem einen Beitrag zu folgenden Themen: Bildung und Nachwuchs, Umgang mit natürlich begrenzten Ressourcen, Gesundheitssystem im Wandel, Wissenschaftskultur und neu: Digitalisierung.

Die Themen beziehen sich bewusst auf aktuelle gesellschaftliche Probleme und auf die gegenwärtige politische Agenda. Eine wichtige Referenz sind die 17 Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der UNO. Für deren Umsetzung setzt sich die Schweiz auf nationaler und internationaler Ebene ein. Dazu gehören nicht nur Forderungen im Bereich natürliche Ressourcen, sondern auch Ziele hinsichtlich Bildung und Gesundheit. Thomas Breu, Direktor des Centre for Development and Environment (CDE) der Universität Bern, stellt die SDGs den Präsidentinnen und Präsidenten vor und beschönigt nichts. «So wie es aussieht, werden wir 50% der Nachhaltigkeitsziele verpassen.» Sorgen macht Breu insbesondere die Tendenz zu einer nationalen Sichtweise: our citiziens, our interests, our nations. «Die Wechselwirkungen sind so gross, dass ein Rückzug auf die nationale Sichtweise absolut nicht zielführend ist», betont Breu. Global ist auch das Thema der Digitalisierung. Der Megatrend des 21. Jahrhunderts darf als Schwerpunkt der Akademien nicht fehlen. Unter dem Titel «Wissenschaftskultur» schliesslich identifiziert die SAGW gegenwärtige Trends in der Wissenschaft, ordnet sie ein und gibt, wo nötig, Inputs. Zum Beispiel den Richtungswechsel von Quantität zu Qualität. Ein Papier dazu ist in Diskussion. Mehr erfahren Sie demnächst über die Informationskanäle der SAGW.

Die Rolle der Wissenschaft

In der anschliessenden Diskussion geht es um die Rolle und Position der Wissenschaft. Darum, ob sie Teil der Gesellschaft ist – was eine Mehrheit der Bachelor-Studenten in einer Umfrage zum Erstaunen der Professoren ablehnte. Und um die Frage, ob sich die Wissenschaft in die Politik einmischen kann und soll. Eigentlich müsste es selbstverständlich sein, dass wissenschaftliche Erkenntnisse in politische Entscheide einfliessen. Aber es funktioniert nicht. Die Bereitschaft, Ergebnisse aus der Wissenschaft in den Beruf und die Politik einzubinden, hat abgenommen. Zudem haben sich die Auflagen für die Politiker verschärft. So sollten beispielsweise neue Geschäfte auf Generationenverträglichkeit geprüft werden. Was gut gemeint ist, kann in der zur Verfügung stehenden Zeit oft nicht gewährleistet werden. Umso wichtiger ist es für die Forschenden, dass sie sich mit den Prozessen der Politik auseinandersetzen. Die SAGW fördert Formate, die es den Fachgesellschaften erlauben, möglichst viel von ihrem Wissen einzubringen.